Ich bin unfotogen

Die Antwort auf »Ich bin unfotogen«

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Warum finden sich eigentlich die meisten Menschen unfotogen?

Inzwischen bin ich seit 12 Jahren als Fotograf tätig und habe bereits hunderte Menschen vor meiner Kamera gehabt. Ich fotografierte große und kleine, starke und schwache, junge und alte, dicke und dünne, fröhliche und traurige und ausgeflippte und normale. Von 99 von 100 Menschen – vor allem von Kunden – habe ich immer wieder das gleiche gehört: »Also ich finde mich unfotogen.« Ich habe mich sehr oft gefragt warum das so ist. Warum finden sich so viele Menschen unfotogen. Und was ist das eigentlich, diese »Fotogenität«? Der Duden sagt zum Begriff »fotogen« folgendes:

sich gut fotografieren lassend, zum Fotografieren oder Filmen besonders geeignet

»Foto« stammt laut Wikipedia aus dem altgriechisch ??? ph?s, im Genitiv ????? photós und bedeutet so viel ‚Licht‘. 

»-gen« ist ein Suffix und er kennzeichnet laut dem Duden in Bildungen mit Substantiven oder deren Ableitungen eine Eignung oder Angemessenheit. Es stamme wohl vom griechischen Wort »gen?s« ab, was soviel bedeutet wie „hervorbringend, verursachend; hervorgebracht, verursacht“. Es könnte aber auch von »génos« kommen, was bedeutet „Geschlecht, Abstammung, Gattung“. 

Es leiten sich daher folgende Bedeutungen ab:

Das Lichte hervorbringend/verursachend // Vom Lichte hervorgebracht // Vom Lichte abstammend

Puh, was soll das denn nun? Was hat denn jetzt plötzlich das Licht damit zu tun? Mit diesen Bedeutungen kann man nun höchstens stundenlang philosophieren, doch bringt uns das der Antwort auf die Frage näher?

In der allgemeinen Bedeutung kann man die Antwort auf die Frage »wer ist fotogen« daher etwas vereinfachen und sagen:

Fotogen ist, wer es dem Fotografen leicht macht, von sich ein Bild mit großer Wirkung bzw. großer Ausdruckskraft anzufertigen.

Nun wird das Ganze auf einmal sehr subjektiv und schwer greifbar. Denn kann nicht jeder auf einem Bild eine Wirkung verursachen bzw. etwas ausstrahlen? Ich denke schon. Bei manchen ist es nur eben vielleicht einfacher sichtbar zu machen als bei anderen. Hinzu kommt nun auch noch der Faktor Fotograf. Denn bei einem Fotografen wirkt die gleiche Person auf einem Bild vielleicht sehr stark und strahlt etwas besonderes aus, bei einem anderen Fotografen wird davon nichts sichtbar. Fotogenität wird also vom Zusammenspiel zwischen dem Fotografen und dem zu fotografierenden Menschen beeinflusst und kann niemals allgemein bzw. objektiv sein. Demnach kann man sagen, dass kein Mensch unfotogen sein kann. Maximal, dass er vielleicht nicht ganz so fotogen wie andere ist, in dem Sinne, dass er es vielen Fotografen einfach macht ein Bild mit großer Wirkung bzw. Ausstrahlung von ihm anzufertigen. Auch wird die Fotogenität natürlich von unserem derzeitigen Idealbild bestimmt, das sich im Laufe der Menschheitsgeschichte immer wieder ändert.

Doch nun zurück zur Frage, warum sich die meisten Menschen unfotogen finden. Ich habe dafür folgende These.

Die meisten Menschen haben meist nur Fotos von sich, die auf Feiern wie Geburtstagen, Jugendweihen, Familientreffen oder anderen Freizeitaktivitäten entstanden sind. Das heißt, die fotografierende Person war in den meisten Fällen ein Amateur, der keine Kenntnisse von Bildgestaltung, Licht und Ausdruck hat. Der Moment wurde meist sehr beliebig bzw. unfachmännisch eingefangen. Daher wirken viele Amateuraufnahmen oftmals sehr unvorteilhaft für den abgebildeten Menschen. Wenn man sich nun vorstellt, dass sich diese Menschen immer und immer wieder auf den »ungeglückten« Fotos sehen, liegt es nahe, dass man sich irgendwann für unfotogen hält. 

Doch wie kommt es dann, dass die anderen Menschen auf dem Foto für einen ganz normal aussehen? Das wird meiner Meinung nach durch einen zweiten Faktor bestimmt. Der Kluft zwischen dem Fremdbild und dem Selbstbild. Ich habe dazu auf meiner Seite Fotogrow.de bereits einen ausführlichen Artikel geschrieben. Kurz zusammenfassend kann man sagen, dass man selbst meist ein ganz anderes Bild von sich hat, als es Außenstehende haben. Hinzu kommt, dass man sich im Spiegel selbst – und dieser ist ja auf visuellem Wege verantwortlich für das prägende Selbstbild – meist spiegelverkehrt sieht. Also man sieht sich genau anders herum als es das Gegenüber tut, bzw. auch ein Foto. Man sieht die anderen also auf einem Foto immer so, wie man sie immer sieht, nur man selbst sieht sich spiegelverkehrt. Diese beiden Aspekte führen dazu, dass wir meistens Fotos von anderen Menschen viel schöner finden, als diejenigen von uns.

Was bringen uns nun alle diese Gedanken?

Wenn fast alle Menschen sich unfotogen finden, doch wir nun wissen woher das kommt, liegt es doch nahe, dass unsere eigene »Unfotogenität« nur ein Produkt unseres Verstandes ist und keine Tatsache. Denn am Ende liegt es nur am Zwischenspiel zwischen Fotografen und dem Menschen, ob es möglich ist etwas spannendes, interessantes, ausdrucksstarkes oder schönes auf dem Bild sichtbar zu machen. 

Ich empfehle dir also, versteck dich nicht länger hinter deinem Glaubenssatz, dass du nicht fotogen bist, wenn du eigentlich auch gern Fotos von dir möchtest. Schreib dem Fotografen deiner Wahl eine Nachricht und du wirst sehen, dass du nach einem Shooting auf einmal ein ganz anderes Bild von dir haben könntest, wenn du den richtigen findest. 

Aus genau diesem Grund solltest du bei der Wahl des Fotografen darauf achten, ob dieser ein kostenloses Vorgespräch anbietet. Dieses Vorgespräch dient dazu, um herauszufinden ob ihr beide ein gutes Gefühl für eine Zusammenarbeit habt. Nur wenn das bei beiden Seiten der Fall ist, sollte es auch zum Fotoshooting kommen. Des weiteren frag beim Fotografen nach, ob er er dir garantiert, dass du dir auf den Fotos gefallen wirst und du nur bei Gefallen dein Fotoshooting bezahlen musst. Somit gehst du kein Risiko ein. Und natürlich solltest du dir das Portfolio des Fotografen genau anschauen. Sind unter seinen Fotos mehr als 1/3, die dir nicht gefallen, dann ist die Chance groß, dass auch deine Fotos dir nicht gefallen werden. Such dir in diesem Falle lieber einen anderen Fotografen, bei dem du beim Großteil seiner Bilder ein gutes Gefühl hast. Die Auswahl ist sehr groß.

 

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