Die Geschichte zum Bild: das gefallene Kind

Veröffentlicht: von & gespeichert unter Gedanken und Geschichten, Projekte und Aufträge.

Mit diesem Blogbeitrag möchte ich eine kleine Reihe starten, in der ich mir immer ein bestimmtes Bild heraus picke, zu dem ich ein paar Worte schreibe. Das kann sowohl etwas zur Entstehungsgeschichte sein, etwas zum Model, nur jeweiligen Situation in der ich mich damals befand oder einfach nur meine Gedanken dazu.

Diese Serie soll euch meine Bilder etwas näher bringen und dazu dienen, dass ihr euch besser in mich und meine Denkweise als Fotografen hineinversetzen könnt.

Ich beginne mit dem Bild das gefallene Kind aus dem Jahr 2009.

Das Model auf dem Bild lernte ich damals über ein Forum kennen. Sie hieß Alia und war 21 Jahre alt. Wir schrieben etwas hin und her, ich glaube es ging allgemein um Fotografie. Ich habe damals oft meine Modelle über das Internet gefunden. Wenn ich ein Profil mit einem spannenden Foto fand, dann schrieb ich das Model meist an und machte auf mich als Fotograf aufmerksam. Sie kam ebenfalls aus Leipzig und studierte hier. Ich erinnere mich noch genau, dass sie mir schrieb, dass sie meine Fotos toll findet, sie sich selbst aber niemals fotografieren lassen würde. Denn sie meinte, dass sie sich schrecklich unfotogen findet. Wir schrieben über ein paar Tage hin und her. Dann passierte erst einmal nichts.

Parallel organisierte ich gerade ein Fotoshooting das im Kunstschloss Wrodow stattfinden soll. Doch es ergab sich, dass mir kurz vor dem Shooting das Model absagte. In meiner Verzweiflung und nachdem sich kein anderes Model fand, fragte ich Alia, ob sie nicht am 13. Juni Zeit hätte und mit mir nach Wrodow fährt um Fotos zu machen. Es kam länger keine Antwort, doch dann war ich überrascht. Denn Alia sagte mir zu, ich glaube es war nur wenige Tage vor dem Shooting. Wir verabredeten uns kurz zu einem Kennenlernen und machten gleich bei mir im Studio schon ein kurzes Testshooting. Wir waren uns sofort sympathisch und so geschah es, dass ich mit Alia nach Wrodow fuhr, 350km von Leipzig entfernt, irgendwo in Brandenburg.

Als wir dann im Schloss ankamen, begannen wir nach dem altbewährten Prinzip „Stell dich mal da hin, leg dich mal dort hin“ ein paar Aufnahmen zu machen und arbeiteten uns so durch das ganze Haus. Irgendwann kamen wir im Dachzimmer an, das für mich das persönliche Highlight des Schlosses ist und bei dem ich weiß, dass die Schlossherren nicht jeden dort hinein lassen. Gleich neben der Tür vor einem Fenster stand dieser Sessel auf den das Licht so wunderbar fiel. Ich sagte Alia, dass sie sich doch bitte dort hin setzen solle und ich würde ein paar Einstellungen machen. Das Licht war perfekt, doch irgend etwas fehlte mir. Zuerst legte ich ihr dieses zarte Netz über, damit sie nicht ganz so splitternackt wirkt ;). Doch es fehlte noch immer etwas. Da fand ich diese gruselige Puppe. Da ich als Kind auch gern mit Puppen spielte, kam mir diese wie gerufen. Ich legte sie auf den Boden und klappte ein Bein nach oben. Frag mich nicht warum ich das getan habe. Alia erzählte mir die ganze Zeit, dass vor dem Fenster Menschen sind und sich unterhalten. Vor dem Fenster war eine Art Terrasse auf der gerade eine Hochzeit gefeiert wurde. Alia sprach die ganze Zeit davon, dass sie hoffte, dass niemand durch das Fenster schauen wird und sie hier nackt sieht. Ich beruhigte sie mit ein paar Worten und machte weitere Aufnahmen. Dann war das Bild im Kasten und wir fotografierten weiter bis am Ende des Tages.

Jetzt mache ich einen kleinen Zeitsprung, einige Wochen nachdem ich schon alle für mich guten Bilder des Shootings veröffentlicht hatte. Ich wollte allerdings unbedingt noch etwas hochladen, da ich von Alia sehr begeistert war und meine Fans auch. Da stieß ich auf dieses Bild. Ich fand es nicht so besonders, aber alle anderen fand ich noch weniger spannend. Also bearbeitete ich es und lud es hoch. Ich war absolut überrascht wie positiv das Bild überall ankam. Ich konnte es mir nicht erklären. Auch bei Ausstellungen oder Magazinveröffentlichungen war dieses Bild immer wieder Thema. Als irgendwann der Fotowettbewerb Deutschlands bester Fotograf stattfand, reichte ich unter anderem dieses Bild ein und wurde damit 2009 sogar zum Gewinne des 1. Platzes in der Kategorie Akt.

Mittlerweile mag ich dieses Bild auch sehr. Allerdings weiß ich nicht ob ich es mag weil ich mittlerweile das Bild selbst gut finde oder weil es so erfolgreich ist. Wie dem auch sei. Es gehört definitiv zu meinen Lieblingsfotos der Kategorie Akt.

Deswegen habe ich mich dazu entschieden eine Sonderedition dieses Bildes in begrenzter Stückzahl drucken zu lassen. Vielleicht gibt es noch ein Exemplar in meinem Shop, während du diesen Beitrag liest.

[product id=“5742″]

Das war mein erster Beitrag der Serie Die Geschichte zum Bild. Sicher werde ich nicht immer so ausführlich schreiben können, denn manchmal gibt es zu einem Bild einfach nicht so viel zu sagen.

Ich freue mich übrigens auf deinen Kommentar.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.