Kommt mit dem Vollbart auch das Schamhaar wieder?

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Früher da hatten wir Männer Bärte, waren schmutzig, laut und sind noch mit der Axt in den Wald gezogen. Doch irgendwann wurden wir aalglatt und wie geleckt. Das Gesicht täglich frisch rasiert, damit es sich anfühlt wie ein Babypopo. Die Haare stets kurz geschoren und am Besten noch die Nägel manikürt. Nicht mehr viel blieb da von dieser einstigen Rauheit, dem Gefühl des Ur-Instinktes, von dem Geschenk des Testosterons.

Doch die Männer tragen inzwischen wieder Vollbart. Unglaublich wie männlich auf einmal ein zwanzigjähriger Bursche wirken kann, wenn er sich einfach nur ein paar Stoppeln am Kinn wachsen lässt. Der Trend reißt nicht ab, viele lassen im Gesicht wachsen was es zu wachsen gibt. Ohne Grenzen. Ich bin da mit meinem 5 Tage Bart, den ich seit Jahren trage, schon fast ein Außenseiter, weil er so kurz ist. In einer Welt, in der die Grenzen zwischen Männlichkeit und Weiblichkeit durch den Gender Mainstream immer mehr aufgeweicht werden, finde ich es allerdings sehr gut, dass wir Männer unsere eindeutigen Geschlechtsunterschiede wieder stolz nach außen tragen. Vielleicht ändert sich dadurch auch unser Verhalten und wir gehen bald wieder mit der Axt in den Wald. Oder wenn dann wenigstens mit der Kettensäge.

Aber was ich eigentlich sagen will, ist …

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Wie ist es mit den Frauen, wenn sich die Männer die Haare oben wachsen lassen? Lassen sie sich diese nun wieder am Körper wachsen? Viele Verfechter der Glattrasur bekommen jetzt sicher Panikattacken.
Als Aktfotograf bin ich ständig damit konfrontiert, dass die meisten Frauen scheinbar unter einer Rasurzwangsneurose leiden. Man sieht nur glattrasierte Intimbereiche, Achselhöhlen, Beine und im schlimmsten Falle sogar Arme!!! Rasierte Arme, wie fürchterlich. Wer hat sich das eigentlich einfallen lassen, dass wir alle so glattgebügelt sein müssen? Ich mag es hin und wieder zwar auch weich und glatt, aber es ist mittlerweile fast schon zu einem unausgesprochenen Gesetz geworden, dass man so auszusehen hat. Warum können wir Menschen nicht einfach unsere Natürlichkeit annehmen und die Schönheit in ihr sehen? Wenigstens hin und wieder!
Sind unsere kleine Härchen am Körper nicht wie tausende Antenne, die uns empfänglich für Berührungen machen und diese sogar noch intensivieren? Ich für meinen Teil habe seit Jahren wieder gelernt sie zu zu lieben und zu schätzen. Viele Jahre hatte ich das verlernt.

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In der Aktfotografie zieht dieses -vor allem intime – Blankziehen einen weiteren Effekt mit sich. Man kann die meisten Frauen kaum noch in natürlichen Posen fotografieren, ohne dass man gleich Bereiche der Intimzone sieht. Nun ist es ja nicht so, dass man das immer will und noch weniger wollen es die Frauen selbst. Doch Intimhaare wollen sie auch nicht. Was bleibt also übrig? Oftmals Posen mit geschlossenen Beinen, damit ja alles verdeckt bleibt. Das sieht dann leider oft unnatürlich und verschlossen aus. Denn wer presst schon seine Beine immer so aneinander, wenn er unbeobachtet und alleine ist? Und wenn die Schenkel dann doch mal etwas weiter auseinander sind, dann wirkt es auf Fotos gleich pornös, weil es so offensichtlich ist. Schaue ich mir Aktfotografen aus den 70ern und 80ern an, da wirken die Damen keineswegs ordinär, obwohl sie manchmal mit gespreizten Beinen abgebildet sind. Es wirkt einfach nur natürlich. Die Natur hat vorgesehen uns ein natürliches Kleid im Intimbereich zu schenken. Warum hat sie das wohl getan? Hat sie sich vielleicht etwas dabei gedacht? Doch wir nehmen ihr Geschenk nicht an und entblößen unsere Scham und damit uns selbst. Verrückte Welt.

Ich jedenfalls bevorzuge seit Jahren Modelle mit natürlichem Haar, an jeder Stelle. Und ich möchte alle Frauen dazu motivieren sich wieder mehr zu ihrer Natürlichkeit zu bekennen und nicht den Idealen der Mode-, Kosmetik- und Werbeindustrie unterzuordnen. Ich plädiere für eine ordentlich gepflegte Intimfrisur auch wenn ich weiß, dass ich damit einer Randgruppe angehöre. Ich konnte mit Trends noch nie so richtig etwas anfangen. Und ich bin mir sicher, es wird uns allen nebenbei wieder helfen ein Stück mehr zu uns und unserem Körper zurückzufinden.

Ein Versuch ist es doch wert, oder?

Wie steht ihr zum Thema Körperhaare? Schreibt mir eure Meinung als Kommentar, ich freue mich.

PS: Bei den Männern sieht es natürlich genau so aus und eine Körperrasur finde ich hier noch weitaus unästhetischer. Doch da ich vorwiegend Frauenakte fotografiere, dreht sich mein Beitrag auch vorzugsweise um das weibliche Geschlecht.

3 Kommentare für “Kommt mit dem Vollbart auch das Schamhaar wieder?”

  1. Bild vom Autor
    Bob Klingberg

    Hallo Corwin, ich empfinde weibliche Schaambehaarung ebenfalls als sehr ästhetisch. Sie bewahrt ein letztes Geheimnis und sorgt für das Kopfkino, welches ich beim Fotografieren oder Betrachten von Aktbildern so liebe.
    Viele Grüße, Bob

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  2. Bild vom Autor
    Jo. Feldmann

    Randgruppe… Ja, so empfinde ich es auch. Ich suchte für mein Projekt „Storyville“ ein Modell MIT Schambehaarung, da der Rasierzwang in New Orleans um 1910 noch nicht so ganz ausgeprägt war. So richtig fündig bin ich leider nicht geworden – dezent getrimmt kam den Originalen aber zumindest etwas näher.
    Ich gebe die Hoffnung nicht auf. Vielleicht gibt es ja wirklich irgendwann wieder eine Trendwende.
    LG
    Jo.

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