Wie sehen die Porträtgesichter der nächsten Generationen aus?

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Wer mich kennt der weiß, dass ich ein großer Freund fremder Länder bin. Ich beschäftige mich seit über fünfzehn Jahren mit anderen Kulturen und Glaubensrichtungen. Es ist immer wieder spannend wie verschieden und gleichzeitig gleich wir doch alle sind. Denn in unseren Grundbedürfnissen unterscheiden wir uns nicht.
In meinem Freundes- und Bekanntenkreis gibt es einige arabische, afrikanische, russische, türkische und andere internationale Menschen und es ist immer wieder spannend sich mit ihnen auszutauschen. Für mein Leben sehe ich das als große Bereicherung, da wir voneinander sehr viel lernen können. Oftmals habe ich sogar den Eindruck, dass wir Europäer von anderen Kulturen viel mehr lernen können, als wir glauben. Vor allem wenn es um soziale bzw. zwischenmenschliche Themen geht.

Wenn ich reise, dann suche ich mir sehr oft Ziele aus, die touristisch noch nicht so erschlossen sind. Denn einerseits möchte ich in meinem Urlaub nur wenige anderen Touristen sehen und zweitens interessiert es mich stets das landestypische kennenzulernen. Die Sitten, die Art zu Leben, die Bräuche, die Sprache, das Essen, die Flora und Fauna, die Architektur und natürlich die Menschen und Gesichter. Ich finde die Artenvielfalt einfach so spannend und unglaublich bereichernd. Das nicht nur als Mensch, sondern auch als Fotograf. Denn immer dort wo das Unbekannte steckt, findet sich der Reiz dieses zu entdecken und erkunden. Und ich treffe immer wieder auf Einheimische, die sehr Stolz auf diese Individualität sind und diese mit Freude einem Fremden wie mir zeigen. Wenn ich dann wieder nach Hause komme, freue ich mich dann auch wieder darauf. Denn irgendwann habe ich auch genug von der Ferne und wünsche mir das Gewohnte um mich.

Wenn ich hingegen in touristische Hochburgen reise, dann habe ich oft den Eindruck als sieht es dort immer gleich aus. Ich finde lieblos aneinander gewürfelte Hotels, mit Maßband angelegte Parkanlagen und einheitliche Bars und Restaurants, die sich an touristischen Wünschen und Vorstellungen orientieren. Es gibt kaum Individualität zu finden und noch weniger landestypisches. Kurzum, es ist alles nur eine graue Soße, ein Einheitsbreit. Doch warum ist es so? Sind es die Einheimischen, die es den Touristen recht machen wollen? Oder sind es die Einwanderer, die ihre eigenen Vorstellungen in dieses Land bringen? Ich weiß es nicht. Doch ich weiß eines, das Resultat ist eine mittelmäßige Gleichheit. Egal wohin ich fahre. Doch die Natur kennt keine Mittelmäßigkeit, das zeigt sie uns jeden Tag aufs neue.

An einer tollen Landschaft kann ich mich an deren Vielfalt erfreuen. Es gibt Blumen in allen Farben, allen Formen, allen Düften. Die Natur ist so unglaublich vielfältig und präsentiert voller Stolz diese Vielfalt. Es wirkt fast als möchte uns die Natur zeigen wie kreativ sie ist, dass kein Wesen dem anderen gleicht, ob Pflanze, Tier oder Mensch. Kein Vogel singt wie ein anderer, kein Fisch gleicht dem anderen. Doch überall dort, wo der Mensch seine Hand im Spiel hat und vor allem überall dort, wo viele verschiedenartige Menschen leben, gleicht sich irgendwann alles einem Maßstab an.

Nun frage ich mich als Fotograf, was mit dieser Vielfalt bei uns Menschen in Deutschland in einigen Generationen geschehen wird? Wo wird das bleiben, was derzeit Fremde an unserer Andersartigkeit so schätzen? Aus fotografischer Sicht finde ich es aktuell wunderbar, dass unsere Stadt so „bunt“ geworden ist. Wo ich auch hinblicke sehe ich Andersartigkeit und kann mich an anderen Gesichtern, Augen, Mündern, Gesten erfreuen. Ich genieße das fotografisch und bin schon sehr gespannt, wie dies meine Arbeit bereichern wird. Doch dieser Umstand ist kein Besuch von Urlaubern, die irgendwann wieder abreisen. Es sind Menschen, die irgendwann oder gar schon jetzt teil unserer Gesellschaft und somit Teil der Identitäten folgender Generationen werden. Doch was wird das mit uns machen?

Wie sehen wir in 2-3 Generationen aus? Wie in 5-6? Wo wird die Vielfalt bleiben? Werden wir Fotografen noch blonde Menschen mit blauen Augen fotografieren können? Oder rothaarige mit Sommersprossen? Sehen wir dann alle gleich aus, oder zumindest ähnlich? Ist es Evolution wenn aus den Millionen bunter Blumen eine einzige Sorte hervorgeht? Was passiert, wenn wir alle Farben eines Farbkastens in ein Glas kippen und umrühren? Was gibt es dann für Fremde zu entdecken, die uns besuchen? Was macht uns aus?

Was meint ihr? Wird sich viel verändern? Bleibt alles wie es ist? Ich bin gespannt auf eure Kommentare.

 

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