Warum auf meinen Bildern keiner lacht

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Hin und wieder kommt es vor, dass Menschen mich fragen, warum auf meinen Bildern eigentlich selten jemand lacht. Dieser Frage möchte ich mich in diesem Beitrag widmen.

Schaut man sich die Bilder in Zeitschriften und Magazinen, auf Plakaten und Bannern, auf Flyern und Postkarten und in der TV-Werbung einmal an, dann könnte man schnell denken, dass alle Menschen um uns herum absolut glücklich und zufrieden sind. Denn es wird gelacht, gescherzt und die (geweißten) Zähne gezeigt. Es ist eine heile Welt, wie wir sie nur aus manchen Geschichten mit Happy End kennen.

Gehe ich dann an den Schaufenstern einiger Fotogeschäfte vorbei, dass sieht es mit dem Lächeln meist schon ganz anders aus. Oftmals finde ich da nur Münder, die zur Form eines Lachens hin gebogen werden. Denn klar, wenn der Fotograf einfach nur sagt „Bitte Lächeln.“, dann löst das nicht viele positive Gefühle in uns aus, die uns dazu noch zum Lachen bringen. So ergibt es sich, dass man oftmals „lachende“ Münder, aber skeptisch dreinschauende Augen auf den Fotos findet.

Schaut man sich dann im Gegensatz meine Fotos an – oder die von unzähligen anderen Fotografen auch – dann findet man ganz selten diese heile Welt mit lachenden Menschen. Wer genau hinschaut, wird das Augenzwinkern und das Schmunzeln in meinen Bildern sehen, man sucht es aber oftmals vergeblich auf ihnen. Warum ist das so?

Das hat verschiedene Gründe. Zum Einen möchte ich mich selbstverständlich von den klassischen „Bitte-Lächeln-Fotografen“ abheben und Bilder bieten, die andere Sichtweisen zeigen. Außerdem bin ich kein Werbefotograf, der mit seinen Bildern Produkte oder Dienstleistungen an die Zielgruppe bringen muss. Aber vor allem finde ich entspannte Gesichter viel spannender als lachende. Denn Lachen funktioniert nur, wenn wir jeden Muskel unseres Gesichtes anspannen. In der Ent-Spannung kann ich allerdings in einem Gesicht viel mehr finden.

Günter Rössler war es der einmal sinnbildlich sagte:

„Einen unfreundlichen Menschen erkenne ich auch, wenn er lacht und einen freundlichen Menschen erkenne ich auch, wenn er nicht lacht.“

In diesem Satz steckt viel Wahrheit und Poesie, wie ich finde. Deswegen interessiert mich das nicht-lachende Gesicht weitaus mehr. Denn in ihm spiegelt sich für mich viel mehr des Charakters eines Menschen wider. Denn die Mimik und die Spuren des Lebens schreiben ihre eigene Geschichte.

Nun kommt es natürlich hin und wieder vor, dass man die entstandenen Fotos aus meinen Fotoshootings der Familie zeigt. Oftmals ist es dabei so, dass man als erstes Dinge zu hören bekommt wie „Sag mal warum schaust du so ernst? Du hättest wenigstens mal ein Bisschen Lächeln können.“
Denn die eigene Familie möchte natürlich nur lachende und fröhliche Familienmitglieder, bei denen jeden Tag die Sonne scheint. Und deswegen sind Fotos, auf denen man „ernst“ schaut überhaupt nicht akzeptiert.
Es ist wie das Phänomen mit den Fotos von kleinen Kindern. Eltern sagen ihren Kindern vor der Kamera ständig „Hallo, lach mal. Bitte lächeln.“. Als wäre es das wichtigste auf der Welt immer zu Lächeln. Den Kindern ist es aber in dem Moment nicht nach Lachen. Sie schauen skeptisch diesen fremden Mann mit dem komischen schwarzen Kasten in der Hand an, was er da jetzt wohl macht. Da ist kein Platz für ein Lachen. Da muss sich gewundert werden. Doch wir lernen unseren Kindern mit unseren ständigen Lach-Aufforderungen dadurch schon früh genug, dass man gute Miene zu bösem Spiel machen muss und anderen ständig ein Lächeln zeigt, obwohl einem danach gar nicht zu Mute ist.

Ich sage daher: Schau ernst wenn du ernst schauen willst. Blicke grimmig wenn dir danach ist. Lass deine Tränen laufen, wenn du traurig bist. Stampfe auf den Boden wenn du wütend bist. Aber bitte lache nicht, wenn dir nicht nach lachen ist.

Dann wirst du Bilder bekommen, die mehr von dir zeigen als nur deine Oberfläche. Du wirst einen vielschichtigen Menschen sehen, der Wünsche, Bedürfnisse, Ängste, Sehnsüchte und Laster hat, weil es einfach zum Mensch-Sein dazugehört. Und dabei wirst du sehen wie schön du trotz – oder wegen – dieser Seiten bist.

Und wenn du all diese Dinge für dich annehmen kannst und sie weder als gut oder schlecht abtust, dann bin ich der richtige Fotograf für dich. Wenn du allerdings die lachenden und fröhlichen Bilder suchst, dann wirst du viele talentierte meiner Kollegen finden, die dir genau das bieten.

Ganz unter uns: Bei jedem Fotoshooting entstehen natürlich auch Situationen in denen wir beide lachen müssen. Ich drücke in diesem Falle natürlich auch auf den Auslöser. Denn es wäre schade, ein Lachen vorüberziehen zu lassen, das echt ist. Doch oftmals sind diese Bilder nicht diejenigen, die ich in mein Portfolio nehme. Denn den Humor wird man bei mir nur auf eine andere Art und Weise finden.

2 Kommentare für “Warum auf meinen Bildern keiner lacht”

  1. Bild vom Autor
    Hendrik

    Dem ist nicht mehr viel hinzuzufügen. So halte ich es bei meinen Fotos auch. Wenn mal jemand lächelt oder lacht,dann eben weil es gerade so aus der Situation entstanden ist.

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  2. Bild vom Autor
    Thomas Nentwich

    Dem Beitrag kann ich nur beipflichten. Ich versuche auch immer den Menschen vor meiner Kamera zu sagen, dass sie wirklich fühlen müssen und nicht die Gesichtsmuskeln koordinieren. Das sie in sich gehen sollen und an etwas denken, denn ob jemand etwas fühlt und denkt, sieht man auf dem Foto und jede Oberflächlichkeit wird sofort entlarvt. Gelingt mir wahrscheinlich auch nicht immer, aber man lernt ja auch jedesmal dazu.

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