Zur Vernissage geht man nicht hungrig

Zur Vernissage geht man nicht hungrig. Oder: Häppchenfresser!

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Es ist 19 Uhr in Leipzig, die große Halle füllt sich. Mehrere hundert Menschen sind gekommen um die Ausstellung des Künstlers zu sehen. Die Bilder schmücken großformatig die Wände. Ein kleiner Sektempfang lockert die Atmosphäre und befeuchtet die Kehle. Überall verteilt stehen kleine Gruppen und sind intensiv in Gespräche vertieft.

Dann ist es soweit, der Hausherr begrüßt die Gäste und übergibt an den Laudator, der über 4 DIN-A4 Seiten hinweg bekräftigt, wie toll doch der Künstler ist. Dann kommt der Künstler selbst zu Wort und eröffnet die Ausstellung und natürlich das Buffett. Einige wenige Menschen gehen in Richtung Ausstellung, der Rest stürmt in Richtung Buffett und stellt sich an der Schlange an. Kaum schnell genug kann es gehen, es wird gedrängelt, geschubst und manche essen gleich am Rand des Buffett’s um schnell genug für Nachschlag sorgen zu können.

Dann, es dauert keine 15 Minuten und der Großteil des Buffett’s ist vertilgt. Es sind lediglich nur noch die Dinge zu finden, die man nicht identifizieren konnte. Jetzt noch schnell zum Sektausschank gegangen, um die Brotkrumen im Hals runterzuspülen. An der Bar, an der es gegen einen kleinen Obolus Getränke zu kaufen gibt, steht so gut wie niemand.

Zwei Wimpernschläge danach wirkt die Ausstellung fast wie ausgefegt. Nur noch ein paar wenige Besucher sind vor Ort und unterhalten sich. Der Künstler wandelt von Gruppe zu Gruppe und lässt sich fleißig auf die Schulter klopfen. Warum ist es plötzlich so leer? Achja, die Häppchen sind alle und der Sekt ist leer. Das heißt für die Häppchenfresser gibt es keinen Grund mehr zu bleiben. Sie kommen nur um an der großen Schlacht am Buffett teilzunehmen und sind meist schon wieder weg, ehe sie davon Kenntnis genommen haben, ob heute Fotografie oder Malerei ausgestellt wurde.

Und weil ich diese Häppchenfresser einfach nicht mag und weil man auch nie weiß wie schnell sie zugeschlagen haben, gehe ich niemals zu einer Vernissage hungrig. Ich esse vorher ausgiebig und komme bereits satt. Das gibt mir die gute Möglichkeit mich mit gefülltem Magen den Exponaten zu widmen. Vor allem muss ich mir nicht die Blöße geben, mich vor dem Publikum sattessen zu müssen. Klar, hin und wieder nasche ich dann auch gern mal am Buffett um die Kunst besser verdauen zu können. Denn dafür ist es ja da.

Daher empfehle ich: Geh zu einer Vernissage nicht hungrig, aber lass ganz oben im Magen noch ein klein wenig Luft, falls es etwas leckeres. Denn es wäre ja auf der anderen Seite auch schade, wenn das Buffett dann stehenbleibt weil es keiner will.

Dies ist natürlich ein leicht überspitzter, aber deswegen nicht minder wahrhaftiger Beitrag über das, was ich oft auf Ausstellungen beobachte. Und damit meine ich nicht nur meine eigenen. Denn mittlerweile kündige ich bei der Werbung schon gar kein Buffett an, damit die Häppchenfresser fernbleiben und meine echten Gäste mehr davon haben.

Kennt ihr auch diese Häppchenfresser? Was habt ihr für Situationen auf Ausstellungen beobachtet? Welche Geschichten könnt ihr dazu erzählen?

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